Steuerfuss einfach erklärt: was Ihre Gemeinde wirklich verlangt

Der Steuerfuss entscheidet mit, wie viel Steuern Sie zahlen – aber er ist keine Prozentzahl auf Ihrem Lohn. Was hinter der Zahl steckt, warum zwei Gemeinden mit demselben Steuerfuss unterschiedlich teuer sein können und worauf Sie beim Vergleichen achten müssen.

Loris Siegenthaler Verfasst von Loris Siegenthaler · Gründer von Ortena
3 Min. Lesezeit
Aktualisiert am 12. August 2026
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„Die Gemeinde hat den Steuerfuss auf 95 Prozent gesenkt.“ Solche Sätze stehen jedes Jahr im Lokalblatt, und für die meisten Leserinnen und Leser bleiben sie folgenlos – weil unklar ist, 95 Prozent wovon. Der Steuerfuss ist keine Quote auf Ihrem Einkommen. Er ist ein Multiplikator auf einen Betrag, den der Kanton berechnet hat.

Woraus sich Ihre Steuerrechnung zusammensetzt

Wer in der Schweiz Einkommenssteuern zahlt, zahlt sie an drei Stellen gleichzeitig: an den Bund, an den Kanton und an die Gemeinde. Dazu kommt – je nach Konfession und Kanton – die Kirchensteuer.

  • Die direkte Bundessteuer ist für alle gleich. Sie hat einen eigenen, schweizweit einheitlichen Tarif, und weder Kanton noch Gemeinde können daran etwas ändern.
  • Kantons- und Gemeindesteuer teilen sich eine gemeinsame Grundlage: die einfache Staatssteuer. Auf diese eine Zahl wenden Kanton und Gemeinde je ihren eigenen Steuerfuss an.

Genau deshalb steht auf der Steuerrechnung selten eine einzige Prozentzahl – sondern eine Rechnung mit mehreren Zeilen.

Was der Steuerfuss genau ist

Der Kanton legt einen Tarif fest. Aus Ihrem steuerbaren Einkommen und Vermögen ergibt sich daraus die einfache Steuer – ein Grundbetrag, der noch niemandem in Rechnung gestellt wird. Der Steuerfuss ist der Faktor, mit dem dieser Grundbetrag multipliziert wird:

geschuldete Steuer = einfache Steuer × (Steuerfuss Kanton + Steuerfuss Gemeinde [+ Kirchensteuerfuss])

Ein Gemeindesteuerfuss von 95 Prozent bedeutet also: Ihre Gemeinde verlangt 95 Prozent der einfachen Steuer. Liegt der kantonale Steuerfuss bei 100 Prozent, zahlen Sie zusammen 195 Prozent der einfachen Steuer – nicht 195 Prozent Ihres Einkommens. Einzelne Kantone drücken den Steuerfuss statt in Prozent in Einheiten oder Zehnteln aus; die Mechanik bleibt dieselbe.

Festgelegt wird der Gemeindesteuerfuss in der Regel jährlich, zusammen mit dem Budget – je nach Gemeinde durch die Gemeindeversammlung oder das Gemeindeparlament. Er ist damit eine der wenigen Kostenpositionen Ihres Wohnorts, über die tatsächlich öffentlich abgestimmt wird.

Warum Steuerfüsse zwischen Kantonen nicht vergleichbar sind

Das ist der Punkt, an dem die meisten Vergleiche im Internet auseinanderfallen. Zwei Gemeinden in verschiedenen Kantonen können denselben Steuerfuss haben und trotzdem sehr unterschiedlich teuer sein – weil der Tarif für die einfache Steuer kantonal ist. Ist die Grundlage im Kanton A grosszügiger bemessen als im Kanton B, ergibt derselbe Multiplikator eine andere Rechnung.

Der Steuerfuss ist deshalb nur innerhalb eines Kantons eine faire Vergleichsgrösse. Über Kantonsgrenzen hinweg müssen Sie die tatsächliche Steuerbelastung für ein konkretes Einkommen vergleichen, nicht die Multiplikatoren.

Was neben dem Steuerfuss noch auf der Rechnung steht

Der Steuerfuss ist nicht alles, was eine Gemeinde erhebt. Je nach Kanton und Gemeinde kommen dazu:

  • Personalsteuer – ein fixer Kopfbeitrag pro erwachsene Person.
  • Liegenschaftssteuer – auf den amtlichen Wert von Grundeigentum, in einigen Kantonen zusätzlich zur Einkommens- und Vermögenssteuer.
  • Feuerwehrersatzabgabe – wenn Sie keinen Feuerwehrdienst leisten und nicht davon befreit sind.
  • Kirchensteuer – nur bei Mitgliedschaft in einer anerkannten Landeskirche, und mit eigenem Steuerfuss.

Und ausserhalb der Steuerrechnung erst recht: Abfall, Wasser, Abwasser, Strom, Hundetaxe und Kita-Tarife sind eigene Gebühren mit eigenen Reglementen. Eine Gemeinde mit tiefem Steuerfuss kann bei den Gebühren deutlich über dem Schnitt liegen.

Was das für einen Umzug bedeutet

Der Wohnsitz am 31. Dezember entscheidet in den meisten Kantonen darüber, welche Gemeinde Ihre Steuern für das ganze Jahr erhält. Ein Umzug über die Gemeindegrenze kann die Rechnung spürbar verändern – aber eben nur den Kantons- und Gemeindeanteil, nie die direkte Bundessteuer.

Rechnen Sie deshalb nie mit dem Steuerfuss allein. Stellen Sie die gesamte jährliche Belastung gegenüber: Steuern plus die wiederkehrenden Gebühren. Suchen Sie Ihre Gemeinde und vergleichen Sie, was tatsächlich zusammenkommt.

Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Platzhalter aus dem Aufbau der Ratgeber-Rubrik. Er erklärt die Mechanik allgemein und enthält bewusst keine Zahlen einzelner Gemeinden – die stehen auf den Gemeindeseiten und stammen dort direkt aus den erfassten Quellen. Für Ihre konkrete Veranlagung gilt immer das kantonale Steuergesetz und die Auskunft Ihrer Steuerbehörde.